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XtraBlatt Ausgabe 02-2017

MENSCHEN PRAXIS PELLETS

MENSCHEN PRAXIS PELLETS IM HERBST „Auf der niedrigeren Alpe haben wir früher im Herbst Silage für das Jungvieh gemacht. Wir brauchten Winterfutter für die Tiere und wussten im Herbst oft nicht, wie wir das Heu trocknen sollten“, erzählt uns Landwirt Sichler. Das sei auch heute noch ein Problem. Deswegen hat sich der Betrieb dazu entschieden, Graspellets herstellen zu lassen. Die Entscheidung richtet sich nach dem Wetter: „Kommt nochmal eine Schönwetterperiode, so 1 4 können wir Heu machen. Kommt diese nicht, so fällt die Wahl auf die Pelletierung“, erklärt uns Martin Sichler. 2 3 Etwa 8 km entfernt befindet sich die Grastrocknungsanlage. Die Pellets sind exakt aus dem Grasschnitt leistung von 5.500 kg zugefüttert. Als Obergrenze sind laufen im Vollerwerb, alle anderen betreiben Landwirt- entstanden, den Familie Sichler vorher dort abgeliefert hat. Das Trocknen pro Dezitonne Grascobs kostet etwa zehn Kilo Kraftfutter festgelegt. Familie Sichler richtet sich seit etwa fünf Jahren nach diesem Prinzip und schaft im Nebenerwerb. 5 18 Euro. Trotz der Kosten liegen die Vorteile auf der Hand: fährt damit einen erfolgreichen Kurs, was sich in einem Die Sennerei verarbeitet 1,2 Mio. l Milch pro Jahr. Der „Wir können früh mähen und produzieren unser eigenes Stalldurchschnitt von 9.500 kg/Milch widerspiegelt. An Preis pro Liter beträgt zum Teil knapp über 50 Cent und Kraftfutter in bester Qualität“, erzählt uns Martin Sichler stolz und ergänzt: „Der Rohproteingehalt liegt zwischen 16 und 22 %.“ Da das Futter bei den Sichlers jedoch eher knapp ist, lassen sie die Graspellets nur in begrenzter Kraftfutter gibt es ein spezielles Starter-Futter für die ersten 100 Tage nach der Kalbung, von dem die Dezitonne etwa 50 Euro kostet. Von diesem Starter-Futter bekommen die Tiere pro Tag maximal 3 kg zugefüttert. Martin Sichler ist froh, dass auch in Zeiten der niedrigen Milchpreise für den eigenen Geldbeutel gewirtschaftet werden kann. Neben Käse produziert und verkauft die Sennerei seit 2011 auch Eis. Zur Sennerei gehört ein 1 Zur genossenschaftlich betriebenen Sennerei Gunzesried gehören auch ein Verkaufsladen und eine Brotzeitstube. Menge herstellen. Waren es einst 20 t, so sind es heute nur noch etwa 9 t. Den Kühen ist es so möglich, nach der Kalbung Körperfett einzusparen, was die Leistungen durchweg bis zum Verkaufsladen sowie eine geräumige Brotzeitstube mit Sitzplätzen. Der Käse geht zudem auch an die Le- 2 Ein Meister, zwei Gesellen sowie ein Lehrling sind für die Produktion des Käses in der Ende der Laktation erhöht. bensmittelkette Feneberg und an Großhändler, wie der Sennerei verantwortlich. Im Laden arbeiten 14 Diese geringere Menge sei darauf zurückzuführen, Landwirt erzählt. Mittlerweile sei der Käse sogar bis Angestellte. dass die Landwirtsfamilie vor etwa fünf Jahren in eine eigene Kondensatortrocknung investiert habe, klärt uns Ines Sichler auf. „Seitdem probieren wir natürlich, so viel Heu wie möglich selbst zu produzieren. Im letzten Jahr haben wir noch am 30. September Heu gemacht. Dieses entspricht dann vom Feuchtegehalt her einer trockenen Silage, hat also einen Trockenmassegehalt von etwa 35 %. Der Kondensator verarbeitet die Futtermenge von 2 ha bis 4 ha innerhalb von ca. 24 h. Die Belüftung habe fast 100.000 Euro gekostet, rechne sich aber, denn das Ziel ist es, viele Laktationen pro Tier zu erzielen. So befindet sich die älteste Kuh mittlerweile in der achten Laktation. Die Zwischenkalbezeit liegt dadurch durchschnittlich bei 370 Tagen. Die Kuhkälber werden aufgezogen und dann als Jungkühe auf der Auktion in Kempten verkauft; Bullenkälber gehen zur Mast. Vereinzelt wird aber ein Zuchtbulle als Weidestier herangezogen. GEMEINSAME SENNEREI Seit 1892 existiert im Ort eine Genossenschaft, über wel- nach Südafrika verschickt worden. „Uns ist es wichtig, die Sennerei niemals aus der Hand zu geben“, berichtet Martin Sichler. Unter dem Jahr werde den Landwirten immer der Richtpreis ausgezahlt, dieser liege bei 30 ct/l. Die restlichen 20 ct zahlen sich die Genossenschaftsmitglieder jeweils einmalig im Frühjahr aus. Seine Milch bringt Landwirt Sichler zweimal täglich zur Sennerei. Das hat den Vorteil, dass sie nicht gekühlt werden muss. In der 3 Die 25 Braunviehkühe bekommen jeden Tag Heu und frisch gemähtes Gras auf den Futtertisch. 4 An den Hängen kommt ein Metrac zum Einsatz. 5 Zwei hofnahe Flächen werden täglich zum „Reingrasen“, also die Ernte von frisch gemähtem Gras, genutzt. Futter sei gut und reduziere den Bedarf an Pellets. che die „Sennerei Gunzesried“ betrieben wird. Aktuell Sennerei wird sie direkt in Tank oder Kessel gefüllt und gehören zwölf Landwirte dazu, darunter vier größere für den nächsten Tag vorbereitet. „Damit ist das Konzept Die Kühe bekommen das Kraftfutter erst ab einer Höfe, die zwischen 25 und 30 Tieren halten, sowie sol- rund, und wir haben eine gute Basis für unseren Betrieb“, Tagesleistung von 18 kg Milch und einer Grundfutter- che, die lediglich 6 bis 12 Tiere halten. Nur fünf Betriebe meint Martin Sichler abschließend. 22 23