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XtraBlatt 01-2016

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MENSCHEN TITELTHEMA

MENSCHEN TITELTHEMA preise ist ein internationales und kein rein französisches Problem. Der Wegfall der Quoten, die Globalisierung, die Einflüsse stark schwankender Exportmärkte, das Russlandembargo, die erkennbare Korrelation zwischen Preisen für Rohstoffe und Agrarprodukte, ein gewisser spekulativer Einfluss durch Großinvestoren bei Land und Nahrungsmitteln – derzeit kommt eben sehr viel Ungünstiges zusammen. Nicht zu vergessen natürlich die Besonderheit speziell in Frankreich, dass der traditionell große Stellenwert von Nahrungsmitteln und Landwirtschaft in der Bevölkerung deutlich bröckelt. XtraBlatt: Dabei geben die Franzosen mit über 15 % immer noch fast doppelt so viel für Nahrungsmittel aus wie zum Beispiel die Deutschen… Foucher: Ja, das stimmt. Und viele Landwirte haben sich auf Nischen wie die Käseproduktion sowie auf Direktvermarktung spezialisiert. Dort erzielen sie eine erheblich bessere Verwertung ihrer Milch, wie ja auch das Beispiel zeigt, das in dieser XtraBlatt-Ausgabe vorgestellt wird. Trotzdem ist das keine Lösung für die gesamte Landwirtschaft. Auch in Frankreich sind die Discounter auf dem Vormarsch. Dieser Wertewandel ist schon gravierend und ein zusätzliches emotionales Element in der Diskussion. Denn anders als in Deutschland ist nach meiner Einschätzung der Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe mit Einkommenskombinationen in Frankreich geringer, also die existentielle Gefahr durch die Preiskrise für die Landwirte höher. XtraBlatt: Also keine guten Perspektiven für den Landtechnikabsatz? Der Firmensitz der Krone France SAS ist in St. Arnoult-en-Yvelines. Frankreich und Deutschland die stärksten Landtechnikmärkte in Europa. Doch auch in Frankreich ändern sich die Kunden, ihre Betriebe und damit die Anforderungen an Technik und Beratung. Darüber hinaus gewinnen die Lohnunternehmer, von denen es dort bereits etwa 2.500 gibt, in der Futterernte noch weiter an Bedeutung. Dem müssen sich die Landmaschinenhändler, aber ebenso die Vertriebsorganisationen der Hersteller unbedingt stellen! Der Trend zu größeren, leistungsfähigeren und komplexeren Maschinen bietet deshalb auch Chancen im Markt. Gerade in einer konjunkturell schwächeren Zeit wie jetzt ist es wichtig, die notwendigen Weichen zu stellen. XtraBlatt: Hat sich Krone deshalb dazu entschlossen, die Kooperation mit Amazone France zu beenden und eine eigene Vertriebsgesellschaft in Frankreich zu gründen? Foucher: Die Zusammenarbeit mit Amazone France hat über Jahrzehnte hinweg sehr gut und sehr erfolgreich funktioniert! Weil aber generell die Kundenanforderungen und die Technikkomplexität so gestiegen sind und weiter steigen, ist es nicht machbar, die Produkte beider Marken aus einer Organisation heraus in der gewünschten Intensität zu platzieren und zu begleiten. Mit der Krone France SAS, die ab dem 1. Juli 2016 offiziell „am Netz“ sein wird, gehen wir jetzt absolut eigene Wege. XtraBlatt: Was bedeutet das konkret? Foucher: Nein, so krass würde ich es nicht formulieren. Sicher ist der Strukturwandel massiv. Aber die Fläche bleibt und wird weiter bewirtschaftet. Deshalb sind und bleiben Foucher: In erster Instanz bedeutet dies, sowohl eine eigene Niederlassung als auch ein eigenes Vertriebs- und Serviceteam aufzubauen. Der neue Standort ist in St. Ar- 12

Ein Teil der Betriebe ist relativ klein strukturiert. Prognosen erwarten einen Rückgang der Milchviehbetriebe um bis zu 20 % bis 2020. noult-en-Yvelines, etwa 50 km südwestlich von Paris. Das von uns dort erworbene Gebäude wurde teilweise umgebaut, sodass wir beste Möglichkeiten für Vertrieb und Service haben. Allein für die Ersatzteillagerung und -logistik stehen 3.000 m 2 zur Verfügung, und weitere 2.000 m 2 für Service und Schulungsaktivitäten. Nicht zu vergessen natürlich die Maschinenausstellung und Verwaltung. Was unser Team betrifft, konnten wir in den zurückliegenden Monaten ebenfalls viel erreichen. Insgesamt bilden derzeit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Basis für unsere Arbeit. Die Zielvorstellung für Ende November 2016 sind insgesamt 45 Personen, und ich denke, dass wir dies auch erreichen. XtraBlatt: Stichwort Service: Welche Pläne gibt es bezüglich der Ersatzteilversorgung? Besonders in der Grünfutterernte ist dies ja ein zentraler Erfolgsfaktor… » Frankreich zählt für Krone zu den drei wichtigsten Märkten. « Joël Foucher Foucher: Nein, definitiv nicht! Hier haben Amazone und Krone zusammen in der Vergangenheit bereits einen sehr guten Job gemacht. Soll heißen: Wir haben sowohl ein gutes Händlernetz als auch eine gute Maschinenpopulation im Markt. Natürlich wird es in einigen Regionen in der Vertriebs- und Servicepartnerstruktur Veränderungen geben. Dabei geht es primär darum, Lücken zu schließen, vor allem aber die Art und Intensität der Zusammenarbeit mit dem Handel auszubauen. Diese Entwicklung werden wir nicht kurzfristig vollenden, das ist ein längerfristiger Prozess. Parallel dazu wird auch unser eigener Außendienst wachsen, in der ersten Phase von derzeit acht Kollegen auf voraussichtlich zwölf, später auf vierzehn. XtraBlatt: Und was ist Ihre Zielsetzung für 2020, was Umsatz und Stückzahlen betrifft? Foucher: Stimmt. Die Ersatzteillogistik für 2016 liegt noch bis November bei der Amazone-Vertriebsgesellschaft, um nicht mitten in der Saison einen Wechsel und damit Komplikationen zu verursachen. Ab dann übernehmen wir in St. Arnoult-en-Yvelines den Staffelstab und versorgen unsere Händler direkt. Von der genannten Gebäudefläche sind zwei Drittel allein dem Ersatzteillager vorbehalten, wo wir mit einem Bestand von etwa 15.000 Teilepositionen beginnen. Das ist fast doppelt so viel, wie in den früheren Jahren verfügbar war. XtraBlatt: Fangen Sie im Handelsnetz ebenfalls bei null an? Foucher (schmunzelnd): Es wäre vermessen, sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf konkrete Zahlen festzulegen, zumal wir weder die Milch- und Fleischpreise noch die Entwicklung des Landtechnikmarktes auf Jahre vorhersehen können. Aber ich halte bei entsprechender Intensität der Marktbearbeitung und halbwegs günstigen Rahmenbedingungen eine Verdoppelung des Umsatzes binnen fünf Jahren für durchaus machbar. Frankreich zählt schon jetzt für Krone, zusammen mit den USA und Deutschland, zu den drei wichtigsten Märkten. Aber das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht … 13