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XtraBlatt 02-2015

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MENSCHEN WISSEN

MENSCHEN WISSEN Deutsches Landwirtschaftsmuseum BEGEISTERUNG Technik, die begeistert – dies gilt nicht nur für die modernen Helfer der Landwirtschaft, sondern genauso für historische Maschinen und Geräte. Und zwar nicht nur bei Fachleuten, sondern ebenso bei Otto Normalverbraucher. Das spüren Veranstalter von Dreschfesten und Feldtagen mit alter Technik jedes Mal aufs Neue – so auch das Deutsche Landwirtschaftsmuseum (DLM) in Stuttgart-Hohenheim. Diese zur Universität gehörende Institution stellt jedes Jahr einen Feldtag auf die Beine, jeweils zu einem bestimmten Thema. 2015 war es die Futter-, 2014 die Getreide- und 2013 die Kartoffelernte. Die Techniksammlung des Deutschen Landwirtschaftsmuseums in Stuttgart-Hohenheim ist einzigartig. Künftig soll sie aber didaktisch neu konzipiert und präsentiert werden. XtraBlatt hat sich vor Ort das Wie und Warum erklären lassen. 1 „Wir konzentrieren uns stets auf ein bestimmtes Thema. So haben wir eine realistische Chance, die Technik nicht nur im Einsatz zu zeigen, sondern den Besuchern auch die Zusammenhänge zu veranschaulichen und vor allem das fachlich nicht so vorbelastete Publikum zu interessieren. Das ginge kaum, wenn wir ein Spektrum all’ dessen zeigen wollten, was wir im Museum haben“, betont Prof. Dr. Karlheinz Köller. Er hatte von 1994 bis 2015 die Professur für Verfahrenstechnik in der Pflanzenproduktion am Lehrstuhl für Agrartechnik in Hohenheim inne. Doch auch nach seiner Emeritierung engagiert er sich als Vorsitzender des Kuratoriums und des Fördervereins für das DLM. „Durch den monothematischen Fokus des Feldtages erreichen wir nicht nur mehr Öffentlichkeit, sondern können hoffentlich bei den Menschen über die Brücke der historischen Maschinen auch mehr Verständnis für die Leistung der modernen Landwirtschaft wecken“, fügt er hinzu. 24

WECKEN BRÜCKE IN DIE VERGANGENHEIT Die Gratwanderung zwischen Landtechnik-Freaks und Oldie-Fans auf der einen und Stadtmenschen auf der anderen Seite ist auch in der Darstellung im Museum eine ständige Herausforderung. In Vielfalt und Anzahl dürfte die auf zwei Museumsbereiche und insgesamt vier Gebäude verteilte Ausstellung in Deutschland und darüber hinaus ihresgleichen suchen, wie Dr. Jürgen Weisser meint, der das Museum seit 2012 leitet. Das Besondere entsteht seines Erachtens letztlich aus zwei Aspekten: Erstens verfügt das DLM mit einigen Tausend Exponaten über ein sehr umfangreiches Spektrum an Original- Fahrzeugen, -Maschinen und -Geräten, mit denen sich alle Arbeitsbereiche der landwirtschaftlichen Innen- und Außenwirtschaft aus den vergangenen 150 Jahren abbilden lassen. Auf den ersten Blick unscheinbarer, aber weltweit einzigartig ist die zweite große Besonderheit des Museums: Die Sammlung von rund 800 kleineren und über 200 größeren Modellen im Maßstab von 1:2 bis 1:20, die vor allem Arbeitsgeräte aus der Zeit von etwa 1790 bis 1900 darstellen. 1818 entstand in Hohenheim auf Betreiben des Württemberger Königs zur Förderung der Landwirtschaft eine Versuchsstation, die aus ganz Europa Landmaschinen holte und auf den Feldern Hohenheims systematisch testete – damals ein echtes Novum, so Dr. Weisser. Doch mehr noch: Um das erworbene Wissen in die Fläche zu tragen, baute die Institutswerkstatt voll funktionsfähige Modelle, die an Interessenten zwecks Nachbau verkauft wurden. AUF ZU NEUEN UFERN Wer jedoch für eine solche Sammlung Begeisterung wecken will, muss die Besucher didaktisch am richtigen Punkt abholen, wie Dr. Weisser betont. „Noch können Oma und Opa den Enkeln beim Museumsbesuch aus eigener Erfahrung die Exponate erklären. Aber ein stark wachsender Teil unserer Gäste hat keinen unmittelbaren Bezug mehr. Deshalb ist es wichtig, die Zahl der Exponate etwas zu reduzieren, dafür aber die Präsentation und Erläuterung den heutigen Standards anzupassen, fügt er hinzu. Von Haus aus Kulturwissenschaftler und dank eines landtechnisch weniger „vorbelasteten“ Blicks auf die Sammlung, kommt ihm hierbei sein breiter Erfahrungsschatz zugute, unter anderem als Leiter eines Freilichtmuseums. Diesen etwas anderen Blickwinkel auf Thema, Konzept und Aufbau der Sammlung möchte er schrittweise umsetzen. Statt in Ehren ergrauter Vitrinen, drangvoller Enge und erklärender Schilder setzt er auf Darstellung von Zusammenhängen, großzügigere Präsentation und die Nutzung moderner Audio- und Videotechnik. Der erste Schritt, die Suche passender Magazinräume zur Aufbewahrung nicht ausgestellter Exponate, läuft derzeit schon. Parallel reift das didaktische Neukonzept. „Dieses Projekt wird uns auf Jahre beschäftigen – und großer Unterstützung von außen bedürfen. Begeisterung wecken wollen wir daher nicht nur bei den Besuchern, sondern ebenso bei Helfern und Sponsoren“, meint Prof. Dr. Köller abschließend. 1 Prof. Dr. Karlheinz Köller (r.) und Dr. Jürgen Weisser wollen das Museum neu konzipieren. 2 Traktoren sind ein Kernbereich des Museums. 2 25